Die „Staatenbibel“ 1637

Das Buch der Bücher

Für Christen ist die Bibel das wichtigste Buch überhaupt, da sie die von Gott verkündete Wahrheit - das Wort Gottes - enthält. Eine der großen Streitfragen der Reformation war die, für wen die Bibel bestimmt sei. Der katholische Klerus war der Ansicht, dass die Bibel nicht vom gewöhnlichen Volk gelesen werden solle. Schließlich konnten die Gläubigen sich in der Kirche die Auslegungen der Geistlichen anhören, die die Bibel in lateinischer Sprache lasen und die sich als Vermittler zwischen Gott und den Gläubigen verstanden.

Die Protestanten vertraten dagegen die Ansicht, dass jeder Gläubige die Bibel selbst lesen solle und dass die Pfarrer in erster Linie Diener an Gottes Wort seien. Sie hätten die Aufgabe, Gott durch Bibellesungen und Schriftauslegungen zur Gemeinde sprechen zu lassen. Aus diesem Grund benötigte man auch eine möglichst zuverlässige Übersetzung der Bibel in der Landessprache. Im Jahr 1534 stellte der Reformator Martin Luther seine Bibelübersetzung aus den Ursprachen ins Deutsche fertig. Diese Lutherbibel wurde im 16. Jahrhundert auch mehrfach ins Niederländische übersetzt.

Mit der Zeit wurde innerhalb der niederländisch-reformierten Kirche der Ruf nach einer neuen Bibelübersetzung, die auf den ursprünglichen hebräischen und griechischen Handschriften basiert, immer lauter. 1618 gab die wichtigste Versammlung der reformierten Kirche, die Synode, die damals in Dordrecht stattfand, eine solche Übersetzung in Auftrag. Als Vorbild sollte die englische "Authorized Version", die King-James-Bibel aus dem Jahr 1611, dienen. Die Generalstaaten wurden um Finanzierung des Vorhabens gebeten.

Erst 1626 stimmten die Generalstaaten dem Plan zu, woraufhin sich die Übersetzer ans Werk machten. Neun Jahre später war die Übersetzung fertig, und 1637 wurde die "Staatenübersetzung" oder "Staatenbibel" zum Druck freigegeben. In den darauffolgenden 20 Jahren wurden über 500 000 Exemplare gedruckt. Über drei Jahrhunderte hinweg blieb die Staatenbibel die wichtigste Schrift der reformierten Kirchen. Auch heute noch wird sie von einigen Glaubensgemeinschaften verwendet. Zurzeit wird an einer Revision der Staatenübersetzung gearbeitet.

Im Laufe der Zeit wurden unzählige Menschen durch Predigten und Bibellesungen von der Sprache der Staatenbibel beeinflusst, die auch die niederländische Kultur stark geprägt hat. So gehen viele Metaphern und Redewendungen auf sie zurück, die aus dem modernen niederländischen Sprachgebrauch kaum noch wegzudenken sind, wie "iemand op handen dragen" (jemanden auf Händen tragen), "in het zweet zijns aanschijns" (im Schweiße seines Angesichts) oder "een lust voor het oog" (eine Augenweide).

 


  • 3000 vor Christus Hünengräber Die ersten Bauern  
  • 47 - ± 400 Der Limes Die Grenze des Römischen Reichs  
  • 658–739 Willibrord Verbreitung des Christentums  
  • 742–814 Karl der Große Kaiser des Abendlandes  
  • Um 1100 Hebban olla vogala Die Ursprünge der niederländischen Schriftsprache  
  • 1254–1296 Florens V. Ein holländischer Graf und unzufriedene Edelleute  
  • 1356–1450 Die Hanse Handelsstädte in den Niederen Landen  
  • 1469 (?) bis 1536 Erasmus Ein Humanist von internationalem Rang  
  • 1500–1558 Karl V. Die Niederlande als Verwaltungseinheit  
  • 1566 Der Bildersturm Glaubenskonflikte  
  • 1533–1584 Wilhelm von Oranien Vom aufständischen Edelmann zum „Vater des Vaterlandes“  
  • 1588–1795 Die Republik Eine neue Staatsordnung  
  • 1602–1799 Die Vereinigte Ostindische Kompanie Überseeische Expansion  
  • 1612 Der Beemsterpolder Holland und das Wasser  
  • 1613–1662 Das Amsterdamer Grachtennetz Stadterweiterung im 17. Jahrhundert  
  • 1583–1645 Hugo Grotius Pionier des modernen Völkerrechts  
  • 1637 Die „Staatenbibel“ Das Buch der Bücher  
  • 1606 (?) bis 1669 Rembrandt Die großen Maler  
  • 1662 Der Atlas Maior von Joan Blaeu Die Welt in Karten  
  • 1607–1676 Michiel de Ruyter Held der Meere in kriegerischen Zeiten  
  • 1629–1695 Christiaan Huygens Wissenschaft im Goldenen Jahrhundert  
  • 1632–1677 Spinoza Auf der Suche nach der Wahrheit  
  • 1637–1863 Sklaverei Menschenhandel und zwangsarbeit in der Neuen Welt  
  • 17. und 18. Jahrhundert Landhäuser Luxus im Grünen  
  • 1744–1828 Eise Eisinga Die Aufklärung in den Niederlanden  
  • 1780–1795 Die Patriotenbewegung Die Republik in der Krise  
  • 1769–1821 Napoleon Bonaparte Die Franzosenzeit  
  • 1772–1843 König Wilhelm I. Das Königreich der Niederlande und Belgiens  
  • 1839 Die erste Eisenbahnlinie Mit Volldampf voraus  
  • 1848 Die Verfassung Das wichtigste Gesetz eines Staates  
  • 1860 Max Havelaar Eine Anklage gegen den Kolonialismus  
  • 19. Jahrhundert Kampf gegen Kinderarbeit Von der Werk- auf die Schulbank  
  • 1853–1890 Vincent van Gogh Der moderne Künstler  
  • 1854-1929 Aletta Jacobs Emanzipation der Frau  
  • 1914–1918 Der Erste Weltkrieg Krieg und Neutralität  
  • 1917-1931 De Stijl Die Formgestaltung wird revolutioniert  
  • 1929–1940 Die Weltwirtschaftskrise Die Gesellschaft in der wirtschaftlichen Depression  
  • 1940-1945 Der Zweite Weltkrieg Besatzung und Befreiung  
  • 1929–1945 Anne Frank Judenverfolgung  
  • 1945–1949 Indonesien Eine Kolonie befreit sich  
  • 1886-1988 Willem Drees Der Sozialstaat  
  • 1. Februar 1953 Die Flutkatastrophe Das Wasser als Gefahr  
  • Seit 1948 Das Fernsehen Durchbruch eines Massenmediums  
  • Seit etwa 1880 Rotterdamer Hafen Tor zur Welt  
  • 1911–1995 Annie M. G. Schmidt Mit Eigensinn gegen die Bürgerlichkeit  
  • Seit 1945 Surinam und die Niederländischen Antillen Die Entkolonialisierung in der Karibik  
  • 1995 Srebrenica Das Dilemma von Friedenseinsätzen  
  • Seit 1945 Die multikulturellen Niederlande Vielfalt in Schule und Gesellschaft  
  • 1959–2030? Die Erdgasblase Ein endlicher Bodenschatz  
  • Seit 1945 Europäische Einigung Die Niederländer und Europa  
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